Was bedeutet Vegetarier?
Allgemeines über Vegetarier
Die Zeit in der wir leben, regt an Umzudenken und alte Verhaltensmuster zu erneuern. Übergewicht, ernährungsbedingte Krankheiten und Tierseuchen wie BSE und die Vogelgrippe erschüttern in den Nachrichten. Reportagen über Massentierhaltungen erschrecken, denn meist werden die Tiere nicht artgerecht gehalten, die Zustände sind unhygienisch und das Leiden der Tiere kaum mit anzusehen. Viele Menschen überdenken unter anderem aus diesen Gründen ihren Lebenswandel und verändern auf diese Weise auch ihre Ernährungsgewohnheiten.
Der Begriff „Vegetarismus“ leitet sich vom lateinischen „vegetare“ (beleben) bzw. „vegetus“ (rege, rüstig) und bezeichnet eine Ernährung, die ohne Produkte auskommt, die eine Tötung des Tieres voraussetzen würde. Deshalb verzichten Vegetarier auf Fleisch, Fisch und Geflügel, sowie meist auch auf Nebenprodukte, die bei der Schlachtung gewonnen werden (Schmalz, Gelatine...). Lebensmittel, die von lebenden Tieren erzeugt werden, können aber müssen nicht auf dem Speiseplan der Vegetarier stehen.
Man unterscheidet deshalb die unterschiedlichen Formen des Vegetarismus:
- Ovo-Lacto-Vegetarier: Essen Eier und Milchprodukte. Diese Form ist unter den Vegetariern am weitesten verbreitet.
- Ovo-Vegetarier: Essen keine Milchprodukte, jedoch Eier. Diese Überzeugung gründet auf der Annahme, dass Hühner auch Eier legen, wenn diese nicht befruchtet sind und daher kein Lebewesen zu Schaden kommt.
- Lacto-Vegetarier: Essen keine Eier, jedoch Milchprodukte.
- Veganer: Essen weder Produkte, die von toten noch von lebendigen Tieren stammen und nutzen auch keine tierischen Produkte wie Leder, Pelze, Wolle, Seide, Kosmetika, die an Tieren getestet wurden etc.
Außerdem gibt es Vegetarier, die zwar kein Fleisch, aber dennoch Fisch verzehren. Dieses Essverhalten kann im engeren Sinn nicht mehr als Vegetarismus angesehen werden, da auch Fische zweifellos Tiere sind und damit ein Lebewesen getötet werden muss. Vegetarier leben meist gesünder, weil sie sich bewusster ernähren (oft auch bevorzugt mit Produkten aus kontrolliert biologischem Anbau), oft die Speisen frisch zubereiten und mehr Gewicht auf die ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen legen. Aber Vegetarier zu sein, muss nicht unbedingt bedeuten gesund zu leben, denn auch der vegetarische Lebensstil bedarf großer Disziplin und Süßes, Kuchen und Limonaden sind für einen Vegetarier ebenso wenig verträglich wie für andere Menschen. Die Motivation sich vegetarisch zu ernähren, kann verschiedenste Gründe haben. Oft sind es moralische Argumente, dann wieder gesundheitliche, ökologische, ökonomische, hygienische oder einfach weil das Fleisch nicht schmeckt.
Moralische Motivation
Der moralischen Motivation liegt der Gedanke zu Grunde, Tiere vor unendlichem Leid zu bewahren, denn wie mittlerweile bekannt sein sollte, können auch Tiere Schmerz empfinden. Bilder über nicht artgerechte Tierhaltung und oft qualvolles Töten lassen wohl niemanden kalt. Dabei kann reines Mitgefühl ebenso eine wichtige Rolle spielen, wie auch die Überzeugung, dass alles Leben gleichwertig ist. Aus ethischen Gründen lehnen viele Menschen die Massentierhaltung ab und sehen in der Ablehnung der Tierschlachtung auch einen Beitrag zur Gewaltfreiheit in der Welt.
Motivation aus dem Glauben
Die Einstellung der christlichen Glaubensgemeinschaft zum Fleischkonsum ist unterschiedlich und nicht eindeutig geklärt. Andere Religionen wie der Buddhismus und der Hinduismus. In den Veden, den hinduistischen Glaubensschriften, ist klar verankert, dass das Nichttöten und die innere wie äußere Gewaltlosigkeit ethisches Hauptgebot sind. Somit leben Hindus vorwiegend vegetarisch und sehen es als religiöse Verpflichtung an, nicht zu töten. Auch Buddha lebte vegetarisch und so sind Ehrfurcht und Barmherzigkeit allen Lebewesen gegenüber fixer Bestandteil der buddhistischen Glaubenslehre. Wobei einige Aussagen Buddhas dahingehend gedeutet werden können, dass Buddhisten zwar der Verzehr von Fleisch erlaubt ist, nicht aber das eigenhändige Töten der Tiere. Andere Religionen wie der Jainismus sind strenge Vertreter des Vegetarismus und lehnen es vollkommen ab, Fleisch zu essen.
Gesundheitliche Motivation
Weniger Fleisch bedeutet weniger Fett, bedeutet weniger Kalorien, bedeutet weniger Gewichtszunahme. Jeder weiß, dass Fett und cholesterinreiche Ernährung den Organismus schädigen und ohne Zweifel mehr Obst und Gemüse auf unserem Speiseplan stehen sollte. Fastfood, Stress und Zeitmangel stellen ein Hindernis dar, aber keinen Grund nicht doch gesünder leben zu können. Rein biologisch gesehen ist der Mensch zwar ein „Allesfresser“, aber dennoch liegt der Ernährungsschwerpunkt in der Pflanzenwelt. Unser Gebiss ähnelt mehr dem eines reinen Pflanzenfressers und auch unser Darm hat die Länge eines Pflanzenfresserdarms. Mittlerweile ist auch klar, dass jeder gesunde Mensch ohne Fleisch leben kann, wenn auf eine ausgewogene Ernährung und die Zufuhr von Eiweißen geachtet wird (z.B. durch Sojaprodukte, Eier...). Jugendliche im Wachstum, Rekonvaleszente, Schwangere, Schwerstarbeiter und Spitzensportler müssen dabei besonders auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten, sollten sie sich vegetarisch ernähren wollen.
|